Das LYNX Depot richtet sich vor allem an Selbstentscheider, die viele internationale Börsen, professionelle Handelswerkzeuge und auch komplexere Produkte nutzen möchten. Für deutsche Aktien über Xetra nennt LYNX 0,14 Prozent des Orderwerts, mindestens 5,80 Euro und höchstens 99 Euro. Das ist bei kleinen Orders deutlich teurer als viele Pauschalmodelle. Hinzu kommt ein wichtiger Steuerpunkt: Weil das Depot für Kunden im Europäischen Wirtschaftsraum bei Interactive Brokers Ireland geführt wird, führt LYNX deutsche Abgeltungsteuer auf Handelsgewinne nicht automatisch ab.
Was ist LYNX?
LYNX B.V. ist eine niederländische Investmentfirma mit deutscher Zweigniederlassung in Berlin. Die deutsche Niederlassung wird laut Impressum von der BaFin beaufsichtigt; die Hauptniederlassung untersteht der niederländischen AFM. LYNX nimmt Kundenaufträge entgegen und übermittelt sie als sogenannter Introducing Broker an Interactive Brokers. Für Kunden mit Wohnsitz im Europäischen Wirtschaftsraum wird das Depot bei Interactive Brokers Ireland Limited, kurz IBIE, geführt.
Diese Aufgabenteilung ist für Kosten, Verwahrung und Steuern wichtiger als die Markenbezeichnung allein. Der Beitrag basiert auf veröffentlichten Preis-, Service- und Rechtsinformationen. Eine Depoteröffnung, echte Order oder praktische Prüfung von Plattform und Kundenservice fand nicht statt. Aussagen zur Bedienbarkeit, Stabilität oder Antwortqualität wären deshalb nicht belastbar.
LYNX Kosten im Überblick
| Kostenpunkt | Veröffentlichte Angabe | Einordnung |
|---|---|---|
| Depotführung | 0 Euro für Einzel- und Gemeinschaftskonten | Handels-, Markt- und mögliche Bearbeitungsgebühren bleiben relevant. |
| Aktien über Xetra | 0,14 % des Orderwerts | mindestens 5,80 Euro, höchstens 99 Euro |
| US-Aktien an Nasdaq | 0,01 US-Dollar je Aktie | mindestens 5 US-Dollar, höchstens 2 % des Orderwerts |
| Aktien in Hongkong | 0,15 % des Orderwerts | mindestens 50 Hongkong-Dollar |
| Eurex-Optionen | 2 Euro je Kontrakt | weitere produkt- oder börsenbezogene Kosten möglich |
| US-Optionen an Cboe | 3,50 US-Dollar je Kontrakt | Optionen können hohe und komplexe Risiken enthalten. |
| Mindesteinzahlung | keine vorgeschrieben | LYNX empfiehlt mindestens 3.000 Euro für wirtschaftliches Handeln. |
Die Anbieterpreise enthalten laut LYNX die Provisionen von Interactive Brokers, jedoch nicht automatisch alle wirtschaftlichen Kosten. Spreads, Produktkosten, mögliche Zuwendungen, Finanztransaktions- oder Stempelsteuern und weitere Fremdkosten können hinzukommen. Verbindlich ist deshalb die Kosteninformation im Orderdialog und im vollständigen Preis- und Leistungsverzeichnis.
Die Mindestgebühr ist besonders bei kleinen Orders wichtig. Eine Xetra-Order über 500 Euro kostet allein durch das Minimum 5,80 Euro oder 1,16 Prozent; bei 2.000 Euro sind es ebenfalls 5,80 Euro beziehungsweise 0,29 Prozent. Erst oberhalb von rund 4.143 Euro greift rechnerisch der Prozentsatz von 0,14 Prozent. Wer häufig kleine Beträge investiert, sollte das mit Pauschalpreisen und Sparplanangeboten im Depotvergleich gegenüberstellen.
Handelsplätze und Anlageklassen
LYNX wirbt mit Zugang zu mehr als 100 Börsen in über 30 Ländern. Das Angebot umfasst nach den veröffentlichten Informationen unter anderem Aktien, ETFs, Optionen, Futures, Devisen, Anleihen, Zertifikate, Optionsscheine und CFDs. Für einzelne Produkte sind Handelsfreigaben, Kenntnisse oder zusätzliche Vereinbarungen nötig. Verfügbarkeit und Konditionen hängen außerdem von Markt, Börse, Kontotyp und Wohnsitz ab.
Eine große Produktauswahl ist kein Qualitätsurteil. Optionen, Futures, CFDs, Leerverkäufe und Wertpapierkredite können Verluste beschleunigen; bei Margin-Geschäften kann der Verlust die ursprüngliche Einzahlung übersteigen. Für langfristige Anleger, die nur wenige ETFs oder Aktien besparen wollen, können der Umfang der Plattform und die Mindestprovision unnötig sein. Aktive Händler können dagegen von internationalen Märkten, vielen Ordertypen und spezialisierten Werkzeugen profitieren.
Teilaktien statt ganzer Stücke
Über LYNX lassen sich Bruchteile ausgewählter US-amerikanischer, kanadischer und europäischer Aktien sowie ETFs handeln. Kunden können eine Stückzahl mit Dezimalstellen oder einen Geldbetrag angeben. In der Regel wird dafür keine gesonderte Dienstleistungsgebühr erhoben; die normalen Handelskosten bleiben bestehen.
Bruchstücke erleichtern eine genaue Gewichtung, sind aber nicht mit ganzen, börsengehandelten Stücken gleichzusetzen. Bei der Ausführung fungiert regelmäßig eine Gesellschaft der Interactive-Brokers-Gruppe als Gegenpartei. Übertragbarkeit, Stimmrechte und Behandlung bei Kapitalmaßnahmen sollten vorab geprüft werden. Wer regelmäßig feste Raten investieren möchte, findet die grundsätzlichen Auswahlkriterien im Aktien-Sparplan-Vergleich.
Plattformen: LYNX+, TWS und App
Kunden können den Webtrader LYNX+, die installierbare Trader Workstation und die LYNX Trading App nutzen. Das Depot, Orders und Portfolio werden laut Anbieter zwischen diesen Zugängen synchronisiert. LYNX+ ist auch für den mobilen Browser optimiert. Die App steht für iPhone und Android zur Verfügung.
Die kostenlose Trader Workstation läuft unter Windows, macOS und Linux. Sie enthält unter anderem OptionTrader, Risk Navigator, Probability Lab und technische Indikatoren. Dieser Funktionsumfang kann für erfahrene Nutzer interessant sein, erhöht aber auch die Einarbeitung. Ob Oberfläche, Datenversorgung und Arbeitsablauf zum eigenen Bedarf passen, sollte mit dem Demokonto geprüft werden. Realtime-Marktdaten können je nach Börse und Datenpaket zusätzliche Gebühren verursachen.
Orderausführung und Währungsrisiko
Internationale Märkte bedeuten mehr Auswahl, aber auch zusätzliche Entscheidungen. Handelszeit, Liquidität, Geld-Brief-Spanne, Börsenplatz und Ordertyp beeinflussen den tatsächlichen Ausführungspreis. Bei einer Market-Order ist der angezeigte Kurs nicht garantiert. Eine Limit-Order setzt eine Preisgrenze, garantiert jedoch keine Ausführung.
Bei Wertpapieren in Fremdwährung kommt das Währungsrisiko hinzu. Neben der Kursentwicklung des Wertpapiers verändert der Wechselkurs den Wert in Euro. Für Umrechnung, Währungssalden und Finanzierung können weitere Entgelte oder Zinsen anfallen. Vor jeder Order sollten deshalb Gesamtbetrag, Währung, Börse und Ex-ante-Kosteninformation geprüft werden.
Depotführung, Kundengelder und Anlegerentschädigung
LYNX beschreibt sich als einführenden Broker; die Depotführung für EWR-Kunden erfolgt bei Interactive Brokers Ireland. Kundengelder und Wertpapiere werden nach den veröffentlichten Informationen getrennt vom Vermögen des Brokers verwahrt. Bargeld kann über Sammelkonten bei Depotbanken oder qualifizierte Geldmarktfonds gehalten werden. Dadurch ist das Guthaben nicht zwingend einer einzelnen Bank individuell zugeordnet.
Interactive Brokers Ireland ist Mitglied des irischen Investor Compensation Scheme. Dieses System entschädigt berechtigte Anleger bei einer Insolvenz der Investmentfirma mit 90 Prozent des anerkannten Verlusts, höchstens jedoch 20.000 Euro je Anleger. Es schützt nicht vor Kursverlusten, Fehlentscheidungen oder Verlusten aus riskanten Produkten. Die im alten Beitrag genannten pauschalen SIPC- und Lloyd’s-Summen sind für die heutige EWR-Struktur daher nicht die richtige Grundlage.
Auch getrennte Verwahrung beseitigt nicht jedes Risiko. Entscheidend sind Produktart, Verwahrkette, Gegenpartei und die individuellen Vertragsunterlagen. Für die Einordnung allgemeiner Schutzmechanismen hilft unser Ratgeber zum Aktiendepot.
Steuern für Kunden in Deutschland
Das Depot wird für EU-Kunden seit 2021 bei Interactive Brokers Ireland geführt. Deshalb stellt LYNX keine deutsche Steuerbescheinigung aus und führt die deutsche Abgeltungsteuer auf Handelsgewinne nicht automatisch ab. Steuerpflichtige Kunden müssen Gewinne, Verluste und weitere Kapitalerträge grundsätzlich selbst in der Einkommensteuererklärung, insbesondere über die Anlage KAP, erklären.
Im Client Portal stehen ein Jahresdepotauszug und ein informativer Steuerbericht zur Verfügung. Der informative Bericht ist ausdrücklich kein offizielles Steuerdokument und sollte auf Plausibilität, Vollständigkeit und steuerliche Relevanz geprüft werden. Bei Dividenden können Quellensteuern bereits durch Clearingstellen einbehalten werden. Fremdwährungen, Derivate, Depotüberträge und ausländische Erträge können die Erklärung zusätzlich erschweren. Bei Unsicherheit ist fachkundige Steuerberatung sinnvoll.
Kontoeröffnung und Kundenservice
Für die Eröffnung schreibt LYNX keine Mindesteinzahlung vor, empfiehlt aber mindestens 3.000 Euro, um im Verhältnis zu Mindestprovisionen wirtschaftlich handeln zu können. Angeboten werden Einzel-, Gemeinschafts- und Firmendepots. Welche Nachweise, Erfahrungen und Produktfreigaben verlangt werden, hängt vom gewählten Konto und Handelsumfang ab.
Der Service ist laut Anbieter montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr und freitags von 8 bis 18 Uhr telefonisch und per E-Mail erreichbar. Für technische Unterstützung kann nach ausdrücklicher Zustimmung TeamViewer QuickSupport eingesetzt werden. Die tatsächliche Erreichbarkeit und Problemlösung wurden für diesen Beitrag nicht getestet.
Für wen kann LYNX passen?
LYNX kann prüfenswert sein für erfahrene Selbstentscheider, die internationale Börsen, Optionen oder Futures, anspruchsvolle Ordertypen und die Trader Workstation gezielt nutzen. Auch Teilaktien und das Fehlen einer vorgeschriebenen Mindesteinzahlung erweitern die Einsatzmöglichkeiten.
Weniger passend kann das Depot für Einsteiger sein, die eine besonders einfache Oberfläche, automatische deutsche Steuerabführung oder sehr günstige Kleinorders erwarten. Wer nur gelegentlich einen ETF oder eine Aktie kauft, sollte Mindestprovision, mögliche Marktdatenkosten und Steueraufwand gegen den Nutzen der professionellen Infrastruktur abwägen.
Stärken und Grenzen auf einen Blick
- Plus: Zugang zu vielen internationalen Börsen und Anlageklassen.
- Plus: professionelle TWS mit spezialisierten Analyse- und Orderwerkzeugen.
- Plus: keine laufende Depotgebühr für Einzel- und Gemeinschaftskonten.
- Plus: Handel mit Bruchteilen ausgewählter Aktien und ETFs.
- Grenze: mindestens 5,80 Euro für eine Xetra-Aktienorder belastet kleine Beträge stark.
- Grenze: deutsche Abgeltungsteuer wird auf Handelsgewinne nicht automatisch abgeführt.
- Grenze: Plattform- und Produktumfang können eine längere Einarbeitung erfordern.
- Risiko: Margin, Derivate und Fremdwährungen können erhebliche Verluste verursachen.
Fazit zum LYNX Depot
LYNX ist 2026 eher ein international ausgerichtetes Handelsdepot als ein minimalistischer Neobroker. Die Stärke liegt in der Verbindung aus vielen Märkten, breitem Produktspektrum und professioneller Software. Die Gegenleistung sind vergleichsweise hohe Mindestkosten bei kleinen Aktienorders, potenziell zusätzliche Daten- und Fremdkosten sowie mehr Eigenarbeit bei der deutschen Steuer.
Entscheidend ist deshalb das Nutzungsprofil. Wer die TWS, internationale Börsen oder komplexe Produkte wirklich benötigt, kann das Angebot in die engere Wahl nehmen. Für einfache ETF- oder Aktienkäufe mit kleinen Beträgen sind günstigere und steuerlich bequemere Modelle oft leichter zu handhaben. Maßgeblich bleiben das aktuelle Preisverzeichnis, der verbindliche Orderdialog und die persönlichen Vertragsunterlagen.
Quellen und Stand
Die Angaben wurden am 8. September 2026 anhand der folgenden offiziellen Quellen geprüft. Preise, Produkte, Handelsplätze, Steuern und Schutzmechanismen können sich ändern.
- LYNX: Preise und Konditionen
- LYNX: Depotführung, Verwahrung und Anlegerentschädigung
- LYNX: Steuerinformationen und Berichte
- LYNX: Handelsplattformen und Software
- LYNX: Teilaktien und deren Besonderheiten
- LYNX: Depotarten und Kontoeröffnung
- LYNX: Impressum, Rechtsträger und Aufsicht
- Investor Compensation Company DAC: Irish Investor Compensation Scheme